Hey du,
heute nehme ich dich mit nach Berlin – zu einem Unternehmen, das viele wahrscheinlich eher mit Mautsystemen als mit moderner Personalarbeit verbinden: Toll Collect. Doch hinter dem Namen steckt ein Arbeitgeber, der zeigt, wie wertebasierte Unternehmenskultur, agiles Recruiting und Eignungsdiagnostik zusammenspielen können, um Mitarbeitende zu gewinnen – und langfristig zu halten.
Ich hatte das Vergnügen, mit Arleta Marko-Zbozien, Head of People & Culture, und Antonia Welz, Talent Acquisition Partnerin bei Toll Collect, über ihre Transformation zu sprechen. Und ich verspreche dir: Diese Folge steckt voller Inspiration für alle, die Recruiting 2026 wie auch mit Blick in die Zukunft nicht nur verstehen, sondern gestalten wollen.
Übersicht der wichtigsten Abschnitte
- Vom “Behördenimage” zur agilen Arbeitgebermarke
- Authentizität statt Fassade: Recruiting, das hält, was es verspricht
- Transformation mit Haltung: Agiles Arbeiten im Bundesunternehmen
- Recruiting auf Augenhöhe: HR & Fachbereiche als Dream-Team
- Eignungsdiagnostik trifft Agilität: Wenn Auswahl zum Lernprozess wird
- Agiles Recruiting heißt: Mut zur Veränderung
- Kultur schlägt Prozess
- Was Unternehmen daraus lernen können
- FAQ: Agile Eignungsdiagnostik & modernes Recruiting
- Fazit
Vom “Behördenimage” zur agilen Arbeitgebermarke
Wenn man „Toll Collect“ hört, denkt man schnell an „Maut“. Aber kaum jemand weiß, dass das Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitenden zu den Pionieren satellitengestützter Systeme weltweit gehört – und gleichzeitig ein Bundesunternehmen ist, das sich gerade mitten in einem tiefgreifenden Kulturwandel befindet.
Arleta ist seit 2003 dabei und hat die gesamte Reise begleitet – von der Privatisierung über die Verstaatlichung bis zur heutigen agilen Organisation.
Was sie dabei gelernt hat:
„Das, was Mitarbeiter wirklich hält, ist eine wertebasierte Unternehmenskultur – verknüpft mit Strategie, Sinn und Haltung.“
Diese Haltung prägt alles: vom Führungsverständnis über Zusammenarbeit bis hin zu HR-Prozessen. Werte sind hier kein „Poster an der Wand“, sondern handlungsleitend. Sie beeinflussen Entscheidungen, fördern Vertrauen – und machen das Arbeitsumfeld attraktiv für Menschen, die Sinn, Stabilität und Entwicklung zugleich suchen.
Authentizität statt Fassade: Recruiting, das hält, was es verspricht
Antonia, die seit zwei Jahren im Recruiting-Team arbeitet, hat den Wandel von Anfang an miterlebt. Ihr Ansatz ist klar:
„Wir müssen das leben, was wir nach außen zeigen. Eine authentische Candidate Journey ist kein Nice-to-have – sie ist entscheidend, damit Menschen bleiben.“
Was heißt das konkret?
Toll Collect hat angefangen, Stellenausschreibungen emotionaler zu gestalten, mit echten Geschichten statt Floskeln. Keine Standardtexte, keine künstliche Sprache – sondern authentisches Storytelling, das Bewerber*innen abholt.
Denn, Hand aufs Herz: Wie oft verspricht ein Unternehmen flache Hierarchien und moderne Zusammenarbeit – nur damit man im Gespräch plötzlich wieder gesiezt wird?
Authentizität beginnt in der Sprache und endet in der gelebten Kultur. Und wer das einmal konsequent denkt, verändert automatisch das Recruiting.
Transformation mit Haltung: Agiles Arbeiten im Bundesunternehmen
Viele verbinden Agilität mit Start-ups, flachen Hierarchien und bunten Post-its. Toll Collect beweist, dass es auch anders geht.
Seit 2023 wurde die Organisation neu aufgestellt – zwei Drittel des Unternehmens sind mittlerweile in agilen Strukturen organisiert. Das ist ein mutiger Schritt, gerade für ein Bundesunternehmen.
Anstelle klassischer Linienorganisationen entstanden Product Teams entlang sogenannter „Wertströme“. Führung findet heute in geteilter Verantwortung statt:
- Eine Rolle kümmert sich um People-Themen,
- eine um Prozesse,
- eine um Produkte,
- und eine (die RTO-Rolle) um operative Exzellenz.
Dieses Modell stärkt Eigenverantwortung und Zusammenarbeit – und schafft ein Umfeld, in dem HR nicht mehr Verwaltungsapparat, sondern Gestaltungspartner ist.
Recruiting auf Augenhöhe: HR & Fachbereiche als Dream-Team
Was mich besonders begeistert hat: die Haltung, mit der HR und Fachbereiche bei Toll Collect heute zusammenarbeiten.
Statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen („HR ist zu langsam“, „Fachbereich liefert kein Feedback“), wurde das Miteinander neu definiert.
Der Schlüssel: Ehrliches Feedback und gemeinsames Lernen.
Antonia erinnert sich:
„Wir haben unsere Hiring Manager aktiv gebeten, uns zu sagen, was nicht funktioniert. Das tat weh – aber es war der Wendepunkt.“
Aus Kritik wurde Kooperation. Heute verstehen sich Hiring Manager und Recruiting-Team als Partner – mit klarer Rollenaufteilung, Transparenz und Vertrauen.
Diese Haltung zieht sich bis in die Meetings: People & Culture trifft sich monatlich mit den internen „Kunden“, um Prozesse weiterzuentwickeln.
Und ja – HR nennt die Hiring Manager hier ganz bewusst Kunden.
Das mag banal klingen, aber allein dieser Perspektivwechsel verändert den Ton, die Haltung und die Ergebnisse.
Eignungsdiagnostik trifft Agilität: Wenn Auswahl zum Lernprozess wird
Ein Highlight in der Transformation ist sicher der Pilot, den Antonia gestartet hat: Agile Eignungsdiagnostik.
Die Idee: Bewerbungsprozesse so gestalten, dass sie nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Kandidat*innen Nutzen bringen.
Anstatt klassischer Interviews oder Assessment-Center setzt Toll Collect auf crossfunktionale Auswahlteams. Neben HR sind Fachvertreterinnen und Kolleginnen aus der Personalentwicklung beteiligt.
Der Fokus liegt nicht allein auf der Frage: „Wer passt am besten?“
Sondern auch: „Was lernt jede Person über sich in diesem Prozess?“
„Unser Ziel ist, dass Bewerbende – egal, ob sie die Stelle bekommen oder nicht – mit einem guten Gefühl rausgehen. Sie sollen etwas über ihre Stärken und Potenziale mitnehmen.“
Ein Ansatz, der die Candidate Experience völlig neu denkt – und Recruiting wieder menschlich macht.
Agiles Recruiting heißt: Mut zur Veränderung
Der Pilot zeigt: Agilität im Recruiting ist kein Buzzword, sondern eine Haltung.
- Offen für Feedback.
- Mutig im Experimentieren.
- Lernorientiert statt fehlerfrei.
Toll Collect lebt diesen Spirit – und ermutigt auch intern, Verantwortung zu übernehmen.
Denn Transformation funktioniert nur, wenn man sie selbst erlebt.
Antonia bringt es auf den Punkt:
„Mut heißt, kreativ zu denken und Neues zu wagen – auch wenn man noch keine Erfahrung hat. Einfach mal machen!“
Kultur schlägt Prozess
Werte, Haltung, Vertrauen, Authentizität – das klingt fast wie weiche Faktoren.
Doch sie sind der härteste Erfolgsfaktor im modernen Recruiting.
Warum?
Weil sie Bindung erzeugen.
Weil sie Mitarbeiter finden und binden.
Weil sie das Fundament sind, auf dem Recruiting Strategien aufbauen müssen.
Die besten Tools, Kampagnen oder Performance-Marketing-Ansätze helfen nichts, wenn sie nicht auf einer Kultur basieren, die hält, was sie verspricht.
Arleta fasst es mit einem schönen Gedanken zusammen:
„Wähle deine Einstellung. Wenn du mit positiver Haltung in den Tag gehst, strahlst du das auch aus – auf Kollegen, Bewerber und dein Umfeld.“
Genau das spürt man bei Toll Collect: Haltung und Menschlichkeit statt Hype.
Was Unternehmen daraus lernen können
Wenn du als HR- oder Recruiting-Verantwortliche*r gerade überlegst, wie du deine eigenen Prozesse weiterentwickelst, hier ein paar Impulse aus der Praxis von Toll Collect:
💡 1. Werte sichtbar machen.
Verknüpfe Kultur und Strategie. Nur wenn Werte spürbar gelebt werden, entfalten sie Wirkung.
💡 2. Recruiting menschlich gestalten.
Sprich authentisch, ehrlich und emotional. Storytelling ersetzt Standardtexte.
💡 3. Fachbereiche einbinden.
Lass sie Partner sein, nicht Auftraggeber. Feedback ist euer größtes Lerninstrument.
💡 4. Eignungsdiagnostik als Lernprozess sehen.
Mach Auswahl fairer, transparenter und entwicklungsorientierter.
💡 5. Agilität nicht kopieren, sondern interpretieren.
Passe agile Methoden an deine Realität an – statt umgekehrt.
FAQ: Agile Eignungsdiagnostik & modernes Recruiting
Was versteht man unter agilem Recruiting?
Agiles Recruiting beschreibt einen flexiblen, lernorientierten Recruiting-Ansatz, bei dem HR, Fachbereiche und Bewerbende eng zusammenarbeiten, um Prozesse schneller, transparenter und menschlicher zu gestalten.
Warum ist eine authentische Candidate Journey so wichtig?
Eine authentische Candidate Journey sorgt dafür, dass Bewerbende bereits im Recruiting ein realistisches Bild der Unternehmenskultur erhalten, wodurch Vertrauen entsteht und langfristige Mitarbeiterbindung gefördert wird.
Wie funktioniert agile Eignungsdiagnostik im Recruiting?
Agile Eignungsdiagnostik kombiniert moderne Auswahlmethoden, crossfunktionale Teams und kontinuierliches Feedback, damit nicht nur Unternehmen bessere Entscheidungen treffen, sondern Kandidat*innen auch ihre eigenen Stärken und Potenziale besser erkennen.
Warum wird Unternehmenskultur im Recruiting immer wichtiger?
Unternehmenskultur entscheidet zunehmend darüber, ob Mitarbeitende langfristig bleiben, weil Werte, Vertrauen, Sinn und Zusammenarbeit heute oft wichtiger sind als reine Gehalts- oder Karrierefaktoren.
Wie können HR und Fachbereiche erfolgreicher zusammenarbeiten?
Erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht, wenn HR und Hiring Manager klare Rollen definieren, regelmäßiges Feedback austauschen und Recruiting als gemeinsame Verantwortung verstehen statt als isolierten Prozess.
Welche Vorteile haben agile Organisationsstrukturen für Unternehmen?
Agile Organisationsstrukturen fördern Eigenverantwortung, schnellere Entscheidungen, bessere Zusammenarbeit und eine höhere Anpassungsfähigkeit an Veränderungen im Arbeitsmarkt und in der Unternehmenskultur.
Mein Fazit
Was mich an der Geschichte von Arleta und Antonia besonders berührt: Sie zeigen, dass Transformation kein Projekt ist – sondern eine Haltung.
Toll Collect hat sich von innen heraus verändert. Nicht, weil ein Berater ein Konzept geschrieben hat, sondern weil Menschen den Mut hatten, zuzuhören, Neues zu wagen und Verantwortung zu übernehmen.
Diese Kombination aus wertebasierter Unternehmenskultur, agilem Recruiting und diagnostischer Klarheit ist ein echter Gamechanger – nicht nur für Bundesunternehmen, sondern für jede Organisation, die langfristig Mitarbeitende gewinnen möchte, die bleiben.
Denn gutes Recruiting 2026 bedeutet nicht mehr nur, schnell zu besetzen – sondern klug, menschlich und nachhaltig zu handeln.
Ich freue mich außerdem besonders über die persönliche Verbindung zu dieser Geschichte: Toll Collect war auch Kunde von mir, und Arleta und ich haben uns ursprünglich über den ZEIT Talent Podcast kennengelernt – ein schöner Zufall, aus dem eine inspirierende Zusammenarbeit und dieser gemeinsame Austausch entstanden sind. 💛
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen.
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