Vielfalt geht uns alle an – warum Diversity kein HR-Projekt ist (und Recruiting ohne sie scheitert)

Sarah Böning
2. März 2026 - Lesedauer: 4 Minuten
Sarah Boening und Liza Follert Podcast Blog
Lesedauer 4 Minuten

Hey liebe Leserin, lieber Leser,

ich kenne Liza Follert schon lange.
Und es gibt wenige Menschen, bei denen ich mit so viel Überzeugung sagen kann:
👉 Wenn ich eine Frage rund um Diversity habe, ist sie meine First Person in Mind.

Nicht nur, weil Liza eine enorme fachliche Tiefe mitbringt.
Sondern vor allem, weil sie Menschlichkeit, Erfahrung und Klarheit verbindet – und das Thema Vielfalt nicht theoretisch, sondern aus dem echten Leben heraus denkt.

Und genau deshalb kam es zu dieser Podcast-Folge.

Vor kurzem war ich mitten in einem Recruiting-Training. Ein sehr praxisnaher Austausch, viele gute Fragen. Und dann kam eine Frage, bei der ich bewusst nicht sofort antworten wollte. Nicht, weil ich keine Meinung dazu hatte – sondern weil sie zu wichtig war für eine schnelle, spontane Antwort.

Also habe ich genau das gemacht, was ich in solchen Momenten gerne mache:
Ich habe meinen Telefonjoker gezogen.
Und der hieß: Liza Follert.

Aus diesem kurzen Austausch entstand schnell eine größere Idee:
Warum nicht genau diesen Anlass nehmen – und das Thema Diversity einmal in Ruhe, ehrlich und fundiert im Podcast besprechen?

Gesagt, getan.

Und was daraus entstanden ist, war kein klassisches HR-Gespräch, sondern ein Dialog über:

Und was daraus entstanden ist, war kein klassisches HR-Gespräch, sondern ein Dialog über:

und die Frage, warum Diversity uns alle betrifft – nicht nur HR

  • Vielfalt im echten Arbeitsalltag
  • Verantwortung von Unternehmen
  • Recruiting, Führung und Zugehörigkeit

Vom Telefonjoker zum echten Perspektivwechsel

Was mich an dem Gespräch mit Liza Follert sofort gepackt hat, war die Klarheit, mit der sie über Diversity spricht.
Nicht moralisch. Nicht belehrend. Sondern realistisch, reflektiert und sehr menschlich.

Denn Vielfalt ist für Liza kein abstraktes Konzept. Sie ist Teil ihres eigenen Lebens – und Teil ihres beruflichen Alltags. Mit über 20 Jahren Erfahrung im Recruiting, heute in einer internationalen Führungsrolle bei Siemens Healthineers, verantwortet sie Talent Acquisition in einer der vielfältigsten Regionen überhaupt: Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

Unterschiedliche Kulturen.
Unterschiedliche Sprachen.

Unterschiedliche Religionen.
Unterschiedliche Lebensrealitäten.

Und genau dort wird schnell klar:
👉 Vielfalt lässt sich nicht „managen“, wenn man sie nicht wirklich versteht.

Vielfalt beginnt nicht beim Konzept – sondern beim Menschen

Im Podcast wurde sehr deutlich:
Viele verbinden Diversity noch immer mit einzelnen Merkmalen – Geschlecht, Nationalität oder Alter. Doch das greift viel zu kurz.

Vielfalt zeigt sich auch dort, wo man sie auf den ersten Blick nicht sieht:

  • Care-Arbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige
  • unsichtbare Erkrankungen
  • psychische Belastungen
  • unterschiedliche Bildungs- und Lebenswege
  • biografische Brüche

Ein Gedanke von Liza hat mich dabei besonders beschäftigt:

„Ich bin nicht eine berufstätige Mutter – ich bin eine Mutter und berufstätig.“

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Denn sobald wir Menschen auf eine Rolle reduzieren, verlieren wir einen Großteil ihrer Realität aus dem Blick.

Warum viele Unternehmen Vielfalt falsch messen

Ein sehr spannender Einblick aus dem Gespräch war der Umgang mit Mitarbeitendenbefragungen.

Viele Organisationen schauen auf aggregierte Ergebnisse:

  • 70 % zufrieden
  • 80 % würden den Arbeitgeber weiterempfehlen

Klingt gut. Aber die entscheidende Frage lautet:
👉 Wer sind diese 70 oder 80 % eigentlich?

Bei Siemens Healthineers wurde genau dort angesetzt:

  • zusätzliche, freiwillige und anonyme Selbsteinschätzung zu Diversity-Dimensionen
  • Auswertung der Ergebnisse nach Gruppen, nicht nur gesamt

Plötzlich wurde sichtbar:

  • Wo fühlen sich bestimmte Gruppen weniger zugehörig?
  • Wo erleben Menschen Dinge, die andere nie wahrnehmen?
  • Wo gibt es strukturelle Blindspots?

Und damit begann der wichtigste Teil der Arbeit.

Der vielleicht wichtigste Diversity-Grundsatz überhaupt

Liza hat es im Podcast sehr klar formuliert:

👉 Redet nicht über Menschen – redet mit Menschen.

Statt Maßnahmen „von oben“ zu definieren, wurden Fokusgruppen gebildet:

  • mit genau den Menschen, die betroffen sind
  • mit Raum für echte Erfahrungen
  • ohne Rechtfertigung, ohne Relativierung

Denn wer selbst nicht betroffen ist, kann viele Dinge schlicht nicht sehen:

  • kleine Ausgrenzungen im Alltag
  • Mikroaggressionen
  • unbewusste Zuschreibungen
  • scheinbar harmlose Kommentare

Aus diesen Gesprächen entstanden mitarbeitendengetriebene Communities:

  • für Eltern & pflegende Angehörige
  • für Menschen mit Behinderung (sichtbar & unsichtbar)
  • für internationale Mitarbeitende
  • für Väter, für die Next Generation, für LGBTQ+

Nicht als HR-Initiative.
Sondern als Teil der Organisation.

Was das mit Recruiting zu tun hat? Alles.

Spätestens hier wird klar, warum dieses Thema weit über „Haltung“ hinausgeht.

Der Arbeitsmarkt verändert sich:

  • demografischer Wandel
  • Fachkräftemangel
  • mehr internationale Mobilität
  • mehr unterschiedliche Lebensentwürfe

Unternehmen, die weiterhin nach der einen Norm rekrutieren, begrenzen sich selbst.

Oder ganz konkret:

  • Muss wirklich jede Rolle perfekte Deutschkenntnisse haben?
  • Welche Skills sind wirklich erfolgskritisch – und was ist erlernbar?
  • Wo schließen wir Menschen aus, ohne es zu merken?

👉 Diversity ist längst ein Business-Thema.

👉 Und Recruiting ist einer der sichtbarsten Hebel dafür.

Worte zum Ende

Diese Podcast-Folge war für mich mehr als ein fachlicher Austausch.
Sie war ein Reminder.

Vielfalt ist kein Trend.
Kein Projekt.
Kein „Nice-to-have“.

💡 Vielfalt ist Realität.
Die einzige Frage ist, ob Organisationen bereit sind,

  • hinzuschauen
  • zuzuhören
  • und Verantwortung zu übernehmen

Im nächsten Blogartikel gehe ich noch eine Ebene tiefer:
Was bedeutet Diversity ganz konkret im Recruiting-Alltag?
– von Anrede & Pronomen über Interviews bis hin zu Stellenanzeigen und Auswahlprozessen.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen.

Und vielleicht nimmst du eine Frage mit in deinen eigenen Alltag:

👉 Wo könnte ich meinen Blick heute ein kleines Stück weiten?

Den Podcast findest du hier – je nachdem ob du es anhören oder anschauen magst: 

https://talentcentric.de/podcast/

Bei Fragen oder weiteren Anregungen komm gerne auf mich zu: sarah.boening@talentcentric.de und vernetzt dich sehr gerne mit Liza Follert: https://www.linkedin.com/in/lizafollert/

Beste Grüße aus Düsseldorf,

Sarah


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