Warum gute Interviews nicht vom Talent abhängen – sondern von Struktur

Sarah Böning
2. Februar 2026 - Lesedauer: 3 Minuten
Sarah Boening und Bastian Stolz Podcast
Lesedauer 3 Minuten

Hey du,

Bastian Stolz war zu Gast in meinem Podcast!!! Kurz vor XMas war die Aufzeichnung und ich hätte Themen mit ihm für X Folgen + ne Ehre für mich, dass er da war – schließlich hat er mal nen HR Slam auf einer Bühne gerückt, wo doch glatt ich namentlich erwähnt wurde. Für mich ein WOW-Moment damals gewesen 🙂


Bastian ist Recruiter, Slam-Poet, Pragmatiker – und jemand, der Anforderungsanalyse nicht predigt, sondern konsequent lebt.

In dieser Folge von „Mitarbeiter gewinnen, die bleiben“ sprechen wir über ein Thema, das viele für trocken halten – das aber über Erfolg oder Misserfolg im Recruiting entscheidet:

strukturierte Interviews & echte Eignungsdiagnostik. Und das sehr praxisnah.

„Wir machen doch Interviews“ – ja, aber wie?

Bastian arbeitet als Inhouse Recruiter bei den Lechwerke AG
– mit Fokus auf technische, gewerbliche und ingenieurwissenschaftliche Rollen.

Sein Befund aus der Praxis ist klar:

Viele Interviews fühlen sich gut an – aber sie sind nicht vergleichbar, nicht fair und nicht belastbar.

Und genau da setzt sein Ansatz an.

Der Gamechanger: Struktur statt Bauchgefühl

Gemeinsam mit HR, IT und Führungskräften hat Bastian etwas gebaut, das in vielen Unternehmen noch fehlt:
einen verbindlichen, strukturierten Interviewprozess – unterstützt durch eine App.

Nicht als Selbstzweck.
Sondern um drei Dinge sicherzustellen:

  • Vergleichbarkeit
  • Fairness
  • bessere Entscheidungen

Und das beginnt früher, als viele denken.

Schritt 1: Führungskräfte liefern – nicht HR

Sobald eine Stelle eröffnet wird, passiert etwas Entscheidendes:

❌ kein „Kannst du mal schnell rekrutieren?“
✅ sondern ein klarer Auftrag an die Führungskraft

Die Führungskraft muss:

  • 3–5 relevante Verhaltenskompetenzen auswählen
  • fachliche Kernfragen definieren
  • Erwartungen klar benennen

Nicht alles.
Nicht „eierlegende Wollmilchsau“.
Sondern Fokus.

Allein dieser Schritt verändert Gespräche – und Verantwortung.

Kompetenzmodell statt Wunschliste

Besonders stark fand ich diesen Punkt:

👉 Nicht Aufgaben zuerst – sondern Verhalten.

Die Frage ist nicht:

„Was soll jemand tun?“

Sondern:

„Welches Verhalten braucht es, damit jemand hier erfolgreich ist?“

Das zwingt Führungskräfte:

  • zu Klarheit
  • zu Priorisierung
  • zu realistischen Erwartungen

Und genau das fehlt in vielen Recruitingprozessen.

Strukturierte Interviews ≠ unpersönlich

Ein häufiger Einwand:

„Dann wird das Gespräch doch total steif.“

Die Realität bei Bastian ist das Gegenteil:

  • klare Agenda
  • transparente Rollen im Interview
  • Raum für Individualität – innerhalb der Struktur

Oder wie er es sagt:

„Es ist kein Date – sondern eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage.“

Und ja:
Kuschelkurs ist nicht gleich Wertschätzung.

Nachbesprechung: der unterschätzte Hebel

Ein Detail, das ich liebe – und das so selten umgesetzt wird:

🕒 15 Minuten feste Nachbesprechung nach jedem Interview.

  • erst jede:r für sich
  • dann gemeinsamer Abgleich
  • keine schnelle Beeinflussung
  • klare Bewertungsskala (1–4) mit definierten Kriterien

Das Ergebnis:

  • weniger Bauchgefühl
  • weniger Machtspielchen
  • mehr Qualität

Absagen, die endlich Sinn ergeben

Der vielleicht größte Effekt:

Absagen werden erklärbar.

Nicht:

„Es hat leider nicht gereicht.“

Sondern:

„Dieses Verhalten war für uns entscheidend – und genau hier gab es keine ausreichenden Beispiele.“

Was zurückkommt?
Dankbarkeit.

Und ja: Das sagt viel über den aktuellen Recruiting-Standard da draußen.

Mein Learning aus dieser Folge

Diese Folge zeigt sehr klar:

  • Gute Interviews sind kein Talent
  • Sie sind kein Zufall
  • Und sie sind keine Geschmackssache

👉 Sie sind das Ergebnis von Vorbereitung, Struktur und Haltung.

Und genau deshalb scheitern sie so oft.

Zum Schluss – mein Impuls an dich

Wenn du merkst, dass:

  • Interviews chaotisch laufen
  • Führungskräfte „aus dem Bauch heraus“ entscheiden
  • Absagen schwerfallen

Dann liegt das Problem nicht bei den Kandidat:innen. Sondern im Prozess davor. Und genau da darf Recruiting heute mutiger und fairer werden.

Danke fürs Lesen – und hör dir diese Podcast-Folge unbedingt komplett an:

https://talentcentric.de/podcast/

Deine
Sarah 


Du möchtest dich gerne mit mir austauschen?

Masterclass

Verwandle deinen Personalbedarf mit einem strukturierten Vorgehen in einen klaren und strategischen Recruiting Fahrplan inkl. Kanal-Mix.

In dieser kostenfreien Masterclass (bestehend aus 6 Videos á 5 bis 8 Minuten) lernst du, wie du deinen Personalbedarf strukturierst und in Hiring-Szenarien bündelst, um dein Recruiting und Personalmarketing effektiv auszurichten. Das Ergebnis: ein klarer Recruiting-Kanal-Plan.



To top