Inhaltsverzeichnis
- Achtung, Bewerbungstsunami: Was gerade wirklich passiert
- Der „Bewerbersturm“: 4 Faktoren, die euch das Recruiting fluten
- Die bittere Konsequenz: Mehr ist nicht besser
- Take-away #1: Gute Reibung einführen – nicht schlechte
- Take-away #2: Skills first – den Funnel umdrehen
- Take-away #3: Skill-Detektoren installieren
- Take-away #4: Anforderungsanalyse ist kein „nice to have“ – sie entscheidet alles
- Take-away #5: Stellenanzeigen müssen wieder „Stellenangebote“ werden
- Take-away #6: Mutig steuern – Anzeige offline nehmen + sauber kommunizieren
- FAQ
- Worte zum Ende: Der Tsunami ist real – aber ihr könnt lernen zu “surfen”
Hey liebe Leserin, lieber Leser,
dieser Blogbeitrag ist entstanden aus einem Webinar, das ich gemeinsam mit HeyJobs gemacht habe – zusammen mit Noémie Döbelin – und aus dem engen Teamwork mit Dimitri „Dimi“ Knysch von Cammio. Aus den Diskussionen, Praxisbeispielen und dem Blick „hinter die Kulissen“ im Recruiting-Alltag sind einige sehr klare Muster entstanden.
Und genau deshalb möchte ich heute ein paar Take-aways teilen, die dir helfen, den „Bewerbungstsunami“ besser einzuordnen – und vor allem: ihn in den Griff zu bekommen.
Achtung, Bewerbungstsunami: Was gerade wirklich passiert
Stell dir einen Surfer vor. 20 Sekunden. Echte Gefühle. Du willst unbedingt wissen: Schafft er’s – oder geht er unter? Genau so fühlt sich Recruiting aktuell in vielen Organisationen an: Kurz vor dem Kentern. Und das Verrückte ist: Es sind nicht „plötzlich mehr Menschen“ da – es sind plötzlich viel mehr Bewerbungen da.
Der “Bewerbersturm”: 4 Faktoren, die euch das Recruiting fluten
Im Webinar/Talk wurden vier Treiber sehr klar – und wenn du sie einmal gesehen hast, kannst du das Phänomen nicht mehr „wegdenken“:
1) Easy Apply: Reibung raus = Volumen rein
Bewerben geht heute mit minimalem Aufwand. Das ist gut – bis es kippt.
2) Global Mobility & Remote: Warum nicht überall?
Für viele Wissensjobs ist der Bewerbermarkt viel größer geworden.
3) Polykrise: Unsicherheit erhöht Bewerbungsbreite
Weniger Stellen + mehr Bewerbungen pro Person = spürbarer Druck im Funnel.
4) KI: Der Verstärker, der alles entkoppelt
Der Satz, der hängen bleibt:
„Die Anzahl der Bewerbungen entkoppelt sich von der Anzahl der Bewerbenden.“ Eine Person kann heute mit Tools hunderte oder tausende Bewerbungen auslösen.
Die bittere Konsequenz: Mehr ist nicht besser
„Mehr Bewerbungen“ klingt nach Luxusproblem. In der Realität ist es oft ein Qualitätsproblem:
- Prozesse werden langsamer (Hyper-Volumen)
- Qualitätssignale verschwinden
- Ghosting steigt
- passende Kandidat:innen und Arbeitgeber finden sich schlechter
Take-away #1: Gute Reibung einführen – nicht schlechte
- Schlechte Reibung: 20-Minuten-Formulare, stumpfes Abtippen beim CV Upload, wenn man sich bewerben möchte
- Gute Reibung: sinnvolle Skill-Checks/ Arbeitsproben, die zeigen, wie der Job wirklich ist. Ich kann zB Bewerber konkret bitten: “Senden Sie uns bitte Ihren Lebenslauf, gerne mit detaillierten Einblicke in Ihre Projektarbeit von XYZ. Wohingegen wir keine Anschreiben, Zeugnisse oder Fotos benötigen.” Als 1 Beispiel.
Ziel: Die, die „nur mal schnell“ klicken, sortieren sich selbst aus – die passenden bleiben dran.
Take-away #2: Skills first – den Funnel umdrehen
Nicht erst CV-Screening → Interview → irgendwann Assessment.
Sondern: früh Skills sichtbar machen, damit du nicht nach „Lebenslauf-Optik“ entscheidest.
Take-away #3: Skill-Detektoren installieren (damit du die Guten erkennst)
Das Bild aus dem Talk ist genial: Schwarze Löcher im All sieht man nicht – nur ihre Wirkung. Mit dem richtigen Detektor wird Unsichtbares sichtbar. Genauso bei Talenten. Fragt gerne den Dimi an, wenn ihr seine Präsentation nochmal sehen möchtet – spoilern kann ich: tolle Folien, Video und Story Telling 🙂
Beispiele:
- strukturierte Interviews
- Arbeitsproben / Situational Judgement Tests
- asynchrone Interviews (Video/ Audio)
- und kognitive Tests (rollenabhängig)
Take-away #4: Anforderungsanalyse ist kein „nice to have“ – sie entscheidet alles
Wenn das Profil wackelt, wird danach alles Mist („shit in, shit out“).
Und bitte nicht nur mit dem Head of – sondern mit Teammitgliedern, weil dort oft die echte Jobrealität sitzt.
Take-away #5: Stellenanzeigen müssen wieder „Stellenangebote“ werden
Viele Anzeigen sind Buzzword-Wundertüten. Ergebnis: Welle garantiert, Auswahl schwierig.
Was besser funktioniert:
- starker Titel + zielgruppengerechtes Bild
- klares Angebot (was ist das Wichtigste?)
- Job-Alltag konkret (1. Woche / 1. Monat / 6 Monate)
- Must-haves vs. „hilfreich, aber kein Kriterium“. Den Lesern muss sehr deutlich klar werden, was sind die erfolgskritischen Anforderungen – wer das kann und will, soll sich bewerben.
Take-away #6: Mutig steuern – Anzeige offline nehmen + sauber kommunizieren
Wenn die Welle zu hoch ist: Stelle offline nehmen (vorher mit Fachbereich abstimmen).
Und dann Candidate Experience ernst nehmen: transparente Zwischeninfos, idealerweise über ATS automatisiert (gern inkl. Anzeige als PDF).
FAQ: Bewerbungstsunami & modernes Recruiting
1. Was ist der „Bewerbungstsunami“ – und warum passiert das gerade?
Es sind nicht plötzlich mehr Menschen auf Jobsuche – es sind deutlich mehr Bewerbungen pro Person. Vier Treiber verstärken das: Easy Apply senkt die Einstiegshürde, Remote Work vergrößert den Bewerbermarkt global, die Polykrise erhöht die Bewerbungsbreite, und KI entkoppelt die Anzahl der Bewerbungen von der Anzahl der Bewerbenden. Eine Person kann heute mit Tools hunderte oder tausende Bewerbungen auslösen.
2. Warum ist „mehr Bewerbungen“ eigentlich ein Problem?
Weil Quantität und Qualität auseinanderfallen. Prozesse werden langsamer, Qualitätssignale verschwinden, Ghosting steigt – und passende Kandidat:innen und Arbeitgeber finden sich schlechter. Was wie ein Luxusproblem klingt, ist in der Realität oft ein ernstes Qualitätsproblem.
3. Was ist der Unterschied zwischen guter und schlechter Reibung im Bewerbungsprozess?
Schlechte Reibung sind 20-Minuten-Formulare und stumpfes Abtippen beim CV-Upload – sie schrecken alle ab. Gute Reibung sind sinnvolle Skill-Checks oder Arbeitsproben, die zeigen, wie der Job wirklich ist. Ziel: Wer „nur mal schnell“ klickt, sortiert sich selbst aus – die passenden bleiben dran.
4. Was bedeutet „Skills first“ – und warum ist das besser?
Statt erst CV-Screening, dann Interview, dann irgendwann Assessment dreht man den Funnel um: Skills werden früh sichtbar gemacht, damit Entscheidungen nicht nach „Lebenslauf-Optik“ getroffen werden. Strukturierte Interviews, Arbeitsproben, Situational Judgement Tests, asynchrone Interviews und kognitive Tests sind Beispiele für solche Skill-Detektoren.
5. Warum ist die Anforderungsanalyse so entscheidend?
Wenn das Profil wackelt, wird danach alles Mist – „shit in, shit out“. Wichtig: nicht nur mit dem Head of abstimmen, sondern mit Teammitgliedern, weil dort oft die echte Jobrealität sitzt.
6. Was macht eine gute Stellenanzeige heute aus?
Ein starker Titel, ein zielgruppengerechtes Bild, ein klares Angebot und konkrete Einblicke in den Job-Alltag – erste Woche, erster Monat, nach sechs Monaten. Und vor allem: glasklare Must-haves statt Buzzword-Wundertüten. Wer die erfolgskritischen Anforderungen erfüllt und will, soll sich bewerben – alle anderen nicht.
7. Was tun, wenn die Bewerbungswelle zu hoch wird?
Stelle offline nehmen – aber vorher mit dem Fachbereich abstimmen. Und dann Candidate Experience ernst nehmen: transparente Zwischeninfos, idealerweise über das ATS automatisiert. Die Frage ist nicht, wie man mehr abarbeitet, sondern wie man Prozesse baut, die Passung sichtbar machen – trotz Volumen.
Worte zum Ende: Der Tsunami ist real – aber ihr könnt lernen zu “surfen”
Die Welle wird in manchen Bereichen nicht „einfach wieder kleiner“. Die wichtigste Frage ist nicht: Wie arbeiten wir mehr ab? Sondern: Wie bauen wir Prozesse, die Passung sichtbar machen – trotz Volumen?
Wenn du heute nur einen Schritt mitnimmst:
👉 Definiert 3 bis 5 Must-have-Skills für die Rolle und baut den Prozess so, dass genau diese Skills früh sichtbar werden.
Sollte dich mehr zum Thema “asynchrone” Interviews interessieren, geh gerne direkt auf Dimi von Cammio zu: Dimitri Knysch dimitri@cammio.com. Und ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Prozessklärung geht: Sarah Böning sarah.boening@talentcentric.de

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