Mentale Gesundheit ist kein Nice-to-have – sie entscheidet, ob Mitarbeitende bleiben.

Sarah Böning
23. Februar 2026 - Lesedauer: 4 Minuten
Yasmin Kurzhals und Sarah Boening
Lesedauer 4 Minuten

Hey du,

manche Menschen kennt man nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus der HR-Bubble.
So ist es bei Dr. Yasmin Kurzhals und mir.

Wir begegnen uns immer wieder im HR-Kontext – speziell hier in Düsseldorf, wo wir beide am Rhein leben.

Wenn ich eine Frage rund um mentale Gesundheit im Arbeitskontext habe, dann ist Yasmin meine First Person in Mind.

Nicht nur, weil sie promovierte Psychologin ist und viele Jahre als Personalleiterin gearbeitet hat – sondern vor allem, weil sie das Thema mentaler Gesundheit sehr praxisnah denkt und lebt. Und weil sie konkrete Kurse und Trainings anbietet, die genau dort ansetzen, wo Unternehmen und Führungskräfte im Alltag oft unsicher sind.

Spoiler: Ich selbst möchte zeitnah an einem ihrer Kurse teilnehmen – sobald es terminlich passt.

Warum wir im Kontext Recruiting über mentale Gesundheit sprechen sollten – und warum das kein Nice-to-have, sondern ein echter Erfolgsfaktor für Arbeitgeber ist – darum geht es in diesem Artikel.

Warum mentale Gesundheit ein Recruiting-Thema ist

Ganz ehrlich:
Auf den ersten Blick passt mentale Gesundheit für viele nicht in einen Podcast oder Blog rund um Recruiting. Doch wenn man genauer hinschaut, gibt es mindestens zwei sehr gute Gründe, warum wir hier genauer hinsehen müssen.

Erstens: Mentale Gesundheit ist ein zentraler Bestandteil von Arbeitgeberattraktivität – auch wenn sie noch viel zu selten so behandelt wird.

Zweitens: Im Recruiting – insbesondere beim Blick auf Lebensläufe – wird oft sehr schnell bewertet, hinterfragt und „interpretiert“. Lücken im CV werden thematisiert, Pausen erklärt, Brüche seziert.

Was dabei häufig vergessen wird:
Nicht jede Pause ist eine strategische Karriereentscheidung. Und nicht jede Geschichte gehört in ein Vorstellungsgespräch.
Manche Unterbrechungen haben gesundheitliche Gründe – auch mentale. Und nicht jede:r möchte oder kann darüber offen sprechen.

Die Zahlen sind ein echter Wake-up-Call

Yasmin bringt im Podcast sehr klar auf den Punkt, warum mentale Gesundheit kein Randthema ist:

  • Jede:r vierte Erwachsene ist innerhalb eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen
  • Jede:r zweite Mensch im Laufe des Lebens
  • Psychische Erkrankungen gehören zu den längsten Ausfallursachen im Arbeitskontext
  • Durchschnittlich 28–29 Fehltage pro Jahr, wenn jemand aufgrund einer psychischen Erkrankung ausfällt

Das Entscheidende dabei:
Psychische Erkrankungen sind multifaktoriell. Sie können genetische Ursachen haben, durch Prägungen in der Kindheit entstehen – oder durch Schicksalsschläge, Überforderung, Arbeitsverdichtung, Führung oder permanente Unsicherheit ausgelöst werden.

Kurz gesagt: Es kann jede:n treffen.

Führung hat mehr Einfluss, als viele denken

Ein Punkt aus dem Gespräch mit Yasmin hat mich besonders nachdenklich gemacht:

Der Einfluss der direkten Führungskraft auf die psychische Gesundheit ist größer als der von Ärzt:innen oder Therapeut:innen.

Das ist eine starke Aussage – und sie deckt sich mit vielem, was wir im Arbeitsalltag erleben.

Mentale Gesundheit beginnt nicht bei Achtsamkeits-Apps oder Obstkörben.
Sie beginnt bei:

  • Führung
  • Arbeitsgestaltung
  • Erwartungshaltungen
  • Feedbackkultur
  • Autonomie & Flexibilität

Und ja – auch bei der Frage, wie wir rekrutieren, wie wir Gespräche führen und wie wir mit Brüchen, Pausen und Unsicherheiten umgehen.

Warum mentale Gesundheit auch ein Business Case ist

So unbequem es klingt: Mentale Gesundheit ist nicht nur eine Frage von Fürsorge – sie ist auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Psychische Erkrankungen verursachen:

  • lange Ausfallzeiten
  • hohe indirekte Kosten
  • Produktivitätsverluste
  • Belastung für Teams und Führungskräfte

Viele Unternehmen investieren viel Geld in Recruiting, ohne sich gleichzeitig ausreichend mit den Gründen zu beschäftigen, warum Menschen ausfallen oder das Unternehmen verlassen.

Wer über Retention spricht, kommt an mentaler Gesundheit nicht vorbei.

Was Unternehmen konkret tun können (auch ohne Konzern Budget)

Die gute Nachricht: Man muss kein Großkonzern sein, um etwas zu verändern.

Ein paar zentrale Hebel aus dem Gespräch mit Yasmin:

1. Führungskräfte sensibilisieren und befähigen

Nicht therapieren – sondern wahrnehmen, ansprechen, begleiten.
Gesunde Führung bedeutet Klarheit, Verlässlichkeit und Menschlichkeit.

2. Prävention und Frühintervention ermöglichen

Zum Beispiel durch:

  • Employee Assistance Programme
  • anonyme Beratungsangebote
  • psychologische Erstgespräche
  • niedrigschwellige Informationsangebote
  • Gerade vor dem Hintergrund, dass die Wartezeit auf einen Therapieplatz in Deutschland im Schnitt bei rund 20 Wochen liegt.

3. Daten nutzen, statt zu vermuten

Viele Krankenkassen stellen anonymisierte Auswertungen zur Verfügung:

  • Welche Erkrankungen führen zu Ausfällen?
  • Wie lange dauern diese?
  • Wo lohnt sich Prävention besonders?

Erstaunlich wenige Unternehmen nutzen diese Möglichkeit aktiv.

Mental Health First Aid: Erste Hilfe für die Seele

Ein besonderer Schwerpunkt von Yasmin ist Mental Health First Aid – ein international etabliertes, evidenzbasiertes Ausbildungskonzept.

Die Idee:
So wie wir Erste Hilfe für körperliche Notfälle lernen, können wir auch lernen, bei psychischen Krisen frühzeitig zu unterstützen.

In den Trainings geht es unter anderem um:

  • das Erkennen früher Warnsignale
  • Gesprächsführung bei Angst, Depression, Sucht oder Suizidalität
  • Sicherheit im Umgang mit belasteten Kolleg:innen
  • Wissen statt Mythen

Die Trainings sind:

  • praxisnah
  • für Führungskräfte, HR, BGM und Mitarbeitende geeignet
  • zeitlich gut in den Arbeitsalltag integrierbar

Kein Wunder, dass ich selbst plane, zeitnah daran teilzunehmen.

Mein persönliches Fazit

Für mich ist nach diesem Gespräch noch klarer geworden:

„Mitarbeiter gewinnen, die bleiben“ funktioniert nicht ohne mentale Gesundheit.

Employer Branding ohne echte Fürsorge bleibt Fassade.
Recruiting ohne Sensibilität bleibt Risiko.

Mentale Gesundheit ist kein Zusatz-Benefit.
Sie ist Grundlage für Bindung, Leistungsfähigkeit und Vertrauen.

Worte zum Schluss

Wenn du Recruiting, HR oder Führung verantwortest, lade ich dich ein:

  • dieses Thema mitzudenken
  • sensibler hinzuschauen
  • und nicht erst zu reagieren, wenn Menschen ausfallen

Und wenn du tiefer einsteigen möchtest: Vernetze dich mit Dr. Yasmin Kurzhals, hör in die Podcast-Folge rein – und nimm mentale Gesundheit als das, was sie ist:
ein zentrales Zukunftsthema für gute Arbeit.

Podcast: https://talentcentric.de/podcast/ 

Linkedin Yasmin: https://www.linkedin.com/in/dr-yasmin-kurzhals/ 

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen.

Bis bald,
Sarah 💛


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